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Erklärung der Forex-Kontotypen: Standard-, ECN- und RAW-Spread-Konten im Vergleich

Die drei grundlegenden Forex-Kontotypen

Die Branche der Forex-Broker für Privatanleger hat sich auf drei grundlegende Kontotypen konzentriert. Jeder dieser Typen spiegelt ein anderes Modell wider, nach dem der Broker seine Dienstleistungen bepreist und Ihre Aufträge (Orders) weiterleitet:

  • Standard-Konto: Der Broker stellt einen Spread (Differenz zwischen Geld- und Briefkurs) bereit, der seine Gewinnspanne bereits enthält. Es fällt keine separate Kommission an. Die Aufträge können über einen Dealing Desk oder per STP-Verfahren (Straight Through Processing) abgewickelt werden.
  • ECN-Konto (Electronic Communication Network): Der Broker leitet Ihre Aufträge direkt an einen Pool institutioneller Liquiditätsanbieter weiter. Die Spreads spiegeln die tatsächlichen Bedingungen am Interbankenmarkt wider. Die Vergütung des Brokers erfolgt über eine Kommission pro gehandeltem Lot.
  • RAW-Spread-Konto: In der Praxis verwenden die meisten Broker für Privatanleger diesen Begriff synonym zu „ECN“. Er signalisiert die direkte Weitergabe der Interbanken-Preise zuzüglich einer Kommission. Die Unterscheidung zum ECN-Konto ist eher eine Frage des Marketings als der technischen Struktur.

Zusätzliche Varianten – wie Micro-, Islamic- (Swap-frei), Cent- und VIP- bzw. Profi-Konten – bauen auf diesen drei Grundstrukturen auf. Sie unterscheiden sich lediglich durch Modifikationen bei der Positionsgröße, den Gebühren für das Halten von Positionen über Nacht (Swap-Gebühren) oder den Zugangsstufen, stellen jedoch keine grundlegend anderen Ausführungsmodelle dar.

Standardkonten: Funktionsweise und Zielgruppe

Das Standard-Konto ist der bei den meisten Forex-Brokern für Privatkunden übliche Kontotyp. Der Broker erzielt seine Einnahmen durch einen Aufschlag auf den Interbanken-Spread – er fügt dem Rohkurs zwischen 0,5 und 1,5 Pips hinzu, bevor er ihn dem Trader anzeigt. Es wird keine separate Kommission berechnet. Wenn für ein Standard-Konto ein EUR/USD-Spread von 1,2 Pips angegeben wird, entfallen etwa 0,6 bis 1,0 Pips davon auf den Aufschlag des Brokers gegenüber dem Interbanken-Rohkurs.

Dieses Modell bietet für bestimmte Trader echte Vorteile:

  • Einfache Kostenstruktur: Die gesamten Handelskosten sind bereits im Spread ersichtlich, bevor der Trade platziert wird. Es ist keine Berechnung von Kommissionen erforderlich.
  • Geringere Kosten bei geringem Handelsvolumen: Ein Trader, der 1 Lot pro Woche handelt, zahlt den Spread-Aufschlag nur einmal. Bei einem ECN-Konto fällt die Kommission hingegen unabhängig vom Volumen bei jedem Trade an.
  • Keine Mindest-Lot-Vorgaben für Kosteneffizienz: Der Handel mit Micro-Lots (0,01 Lots) auf einem Standard-Konto verursacht anteilig dieselben Kosten wie der Handel mit vollen Lots.

Standard-Konten sind die richtige Wahl für Anfänger, für Positionstrader, die ihre Trades über Tage oder Wochen halten, sowie für Trader, deren monatliches Gesamtvolumen unter 3 bis 5 Lots liegt. Der Spread-Aufschlag ist der Preis für die Einfachheit und den geringeren operativen Aufwand.

Das Hauptrisiko bei Standard-Konten ist die mangelnde Transparenz: Der Spread-Aufschlag des Brokers wird nicht separat ausgewiesen. Man sieht einen Spread von 1,2 Pips, kann jedoch nicht unabhängig überprüfen, welcher Anteil davon auf den Marktpreis und welcher auf den Broker-Aufschlag entfällt. Bei seriösen, nach Tier-1-Standards regulierten Brokern stellt dies kein Betrugsrisiko dar – die Spreads sind real und anhand von Marktdaten verifizierbar –, doch es schränkt die Transparenz für Trader ein, die die Ausführungsqualität überprüfen möchten.

ECN-Konten: Direkter Marktzugang und Rohpreise

Ein ECN-Konto verbindet Ihre Order mit einem gebündelten Pool institutioneller Liquiditätsanbieter – Großbanken, Hedgefonds und andere Marktteilnehmer – und führt sie zum besten in diesem Pool verfügbaren Preis aus. Der angezeigte Spread spiegelt die tatsächlichen Bedingungen am Interbankenmarkt wider: Er kann während der Handelszeiten mit der höchsten Liquidität (Überschneidung London/New York) bei 0,0 Pips liegen und in illiquiden Phasen über Nacht 0,5 bis 1,5 Pips betragen.

Für diesen direkten Zugang berechnet der Broker eine Kommission pro Lot. Branchenübliche Sätze im Jahr 2026:

  • 2,25 $ – 3,50 $ pro Lot und Seite (häufigster Bereich bei Brokern mit Tier-1-Regulierung)
  • 5,00 $ – 7,00 $ pro „Round Turn“ (kompletter Handelszyklus aus Kauf und Verkauf)
  • Einige Broker berechnen Gebühren basierend auf dem Nominalwert (z. B. pro Million) statt pro Lot

Für ECN-Trader sind die Gesamtkosten („All-in-Kosten“) entscheidend: Ein Trade in EUR/USD mit einem Spread von 0,1 Pips und einer Kommission von 3,50 $ pro Seite kostet 0,10 $ (Spread) + 3,50 $ (Einstiegskommission) + 3,50 $ (Ausstiegskommission) = 7,10 $ pro Lot (Round Turn). Im Vergleich dazu kostet ein Standardkonto mit einem Spread von 1,2 Pips 12,00 $ pro Lot (Round Turn). Das ECN-Konto ist somit um 4,90 $ pro Lot günstiger.

Bei einem Handelsvolumen von 50 Lots pro Monat ergibt sich eine Ersparnis von 245 $. Bei 200 Lots sind es 980 $. Bei 5 Lots beträgt die Ersparnis 24,50 $ – was den zusätzlichen Aufwand für die Nachverfolgung der Kommissionen kaum rechtfertigt.

ECN-Konten sind speziell konzipiert für:

  • Scalper: Trades, die nur Sekunden bis Minuten gehalten werden, wobei die durch den Spread entstehenden Kosten für Ein- und Ausstieg über die Rentabilität entscheiden. Jeder beim Einstieg eingesparte Pip zählt.
  • Daytrader: 5–20 Lots pro Tag; hier summieren sich die Einsparungen bei den Kommissionen im Laufe einer Woche erheblich.
  • Algorithmische Trader: Nutzer von Expert Advisors (EAs) auf MT4/MT5 oder cTrader, die für präzise Backtests ihrer Strategien auf konsistente, vorhersehbare Spread- und Kommissionskosten angewiesen sind.
  • News-Trader: Trader, die rund um die Veröffentlichung marktrelevanter Daten schnell Positionen eröffnen und schließen müssen; hier sind Ausführungsgeschwindigkeit und enge Spreads entscheidend.

RAW-Spread-Konten: Was diese Bezeichnung tatsächlich bedeutet

„RAW-Spread-Konto“ ist ein Marketingbegriff, den viele Broker verwenden, um ein Konto zu bezeichnen, das strukturell einem ECN-Konto entspricht: direkte Interbanken-Kurse bei gleichzeitiger Berechnung einer Kommission pro Lot.
Auf operativer Ebene sind die beiden Begriffe austauschbar.
Die Bezeichnung entstand, um Tradern, die mit der ECN-Terminologie nicht vertraut sind, zu vermitteln, dass das Konto echte Interbanken-Spreads bietet; „Raw“ (roh/unbearbeitet) ist dabei eine verständlichere Beschreibung für unveränderte Marktpreise als „ECN“ – ein Begriff, dessen Bedeutung sich einem neuen Trader erst erschließt, wenn er das Konzept der Netzwerkanbindung versteht.
In der Praxis gilt: Wenn Sie ein RAW-Spread-Konto mit einem ECN-Konto bei zwei verschiedenen Brokern vergleichen, sollten Sie die Bezeichnung ignorieren. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die drei Kennzahlen, die die tatsächlichen Kosten bestimmen: den durchschnittlichen Spread bei Ihren bevorzugten Währungspaaren, die Kommission pro Lot (je Handelsseite) sowie eventuelle Overnight-Swap-Gebühren, die für Ihre Haltedauer anfallen. Das zugrundeliegende Modell ist identisch.
Einige Broker nutzen die Bezeichnung „RAW“ für eine bestimmte Kontostufe innerhalb ihres ECN-Angebots – zum Beispiel ein „Razor RAW“-Konto mit engeren Spreads, aber einer höheren Mindesteinlage als bei einem Standard-Razor-Konto. In diesen Fällen bezieht sich die Unterscheidung auf den Zugang zu verschiedenen Liquiditätsstufen, nicht auf ein abweichendes Ausführungsmodell.

Direkter Vergleich: Standard vs. ECN vs. RAW

MerkmalStandardECNRAW Spread
EUR/USD-SpreadØ 1,0–1,5 PipsØ 0,0–0,3 PipsØ 0,0–0,3 Pips
KommissionKeine3–7 $ pro Lot (Round Turn)3–7 $ pro Lot (Round Turn)
AusführungsmodellSTP oder Dealing DeskDirekt an LP-PoolDirekt an LP-Pool
Geeignet fürAnfänger, geringes VolumenScalper, DaytraderWie ECN
Kosten bei 1 Lot/Tag~10–15 $ (Spread)~7–10 $ (All-in)~7–10 $ (All-in)
Kosten bei 10 Lots/Tag~100–150 $ (Spread)~70–100 $ (All-in)~70–100 $ (All-in)
MarkttiefeNeinJa (cTrader)Ja (cTrader)
Overnight-SwapFällt anFällt anFällt an
KomplexitätGeringMittelMittel

Gesamtkostenrechner: Welches Konto ist für Sie am günstigsten?

Nutzen Sie diese Übersicht, um zu ermitteln, welcher Kontotyp Ihre gesamten Handelskosten minimiert. Geben Sie Ihr typisches tägliches Handelsvolumen ein:

Tägliches VolumenStandard-Kosten (1,2 Pips)ECN-Kosten (0,1 Pip + 7 $ pro RT)Ergebnis
0,5 Lots/Tag6,00 $6,50 $Standard gewinnt
1 Lot/Tag12,00 $8,00 $ECN gewinnt mit 4 $ Vorsprung
5 Lots/Tag60,00 $40,00 $ECN gewinnt mit 20 $ Vorsprung
10 Lots/Tag120,00 $80,00 $ECN gewinnt mit 40 $ Vorsprung
50 Lots/Tag600,00 $400,00 $ECN gewinnt mit 200 $ Vorsprung

Hinweis: Die Berechnungen basieren auf EUR/USD, 1 Standard-Lot = 100.000 $ Nominalwert, 1 Pip = 10 $. Overnight-Swaps sind nicht berücksichtigt. Die tatsächlichen Kosten variieren je nach Broker und Marktbedingungen.

Weitere Kontovarianten: Micro-, Islamic- und Cent-Konten

Micro-Konten

Micro-Konten ermöglichen den Handel mit Micro-Lots (0,01 Standard-Lots = 1.000 USD Nominalwert). Sie richten sich an Anfänger, die vom Demo- zum Live-Handel wechseln, und ermöglichen ein Engagement am Markt mit realen Auswirkungen bei gleichzeitig minimalem Kapitaleinsatz. Die meisten erstklassigen Broker (Tier-1-Broker) unterstützen den Handel mit Micro-Lots auf Standardkonten, ohne dass hierfür eine spezielle „Micro“-Kontobezeichnung erforderlich ist.

Islamische (Swap-freie) Konten

Islamische Konten verzichten auf Overnight-Swap-Gebühren, um den Prinzipien des islamischen Finanzwesens zu entsprechen, die Zinsen (Riba) untersagen. Stattdessen berechnet der Broker in der Regel eine Verwaltungsgebühr für Positionen, die über einen festgelegten Zeitraum hinaus gehalten werden. Diese Konten werden von den meisten großen Brokern – darunter AvaTrade, Pepperstone und IC Markets – angeboten, sofern die religiöse Notwendigkeit nachgewiesen wird.

Cent-Konten

Bei Cent-Konten werden Kontostände und Trades in Cent statt in Dollar geführt – aus einer Einzahlung von 100 $ werden so 10.000 Cent. Dies ermöglicht den Handel mit Teil-Lots und extrem kleinen Positionsgrößen. Solche Konten sind bei Brokern mit erstklassiger Regulierung (Tier-1) eher selten, bei Offshore-Anbietern hingegen weiter verbreitet. Sie eignen sich gut zum Testen von Hochfrequenzstrategien unter Live-Marktbedingungen, sind jedoch nicht als Hauptkonto bei Qualitätsbrokern zu empfehlen.

VIP- / Profi-Konten

Professionelle Konten stehen Tradern zur Verfügung, die bestimmte regulatorische Kriterien erfüllen (typischerweise: ein Handelsvolumen von mehr als 50.000 € pro Quartal, ein Finanzportfolio von über 500.000 € oder einschlägige Erfahrung im professionellen Handel). Sie bieten höhere Hebelgrenzen und ermöglichen unter Umständen niedrigere Provisionssätze, gehen jedoch mit einem geringeren regulatorischen Schutz einher – insbesondere entfallen der Schutz vor einem negativen Kontostand sowie die für Privatkunden geltenden Hebelbeschränkungen.

So wählen Sie den richtigen Kontotyp für Ihre Strategie aus

Stellen Sie sich vor der Wahl eines Kontotyps drei Fragen:

  • Wie viele Lots werde ich pro Monat handeln? Insgesamt unter 10 Lots: Standard-Konto. 10–50 Lots: Vergleichen Sie die Gesamtkosten. Über 50 Lots: ECN/RAW-Konto.
  • Werde ich Positionen über Nacht halten? Falls ja, fallen unabhängig vom Kontotyp Swap-Gebühren für das Halten über Nacht an. „Islamic Accounts“ (islamische Konten) schließen diese Gebühren für berechtigte Trader aus.
  • Benötige ich Einblick in die Markttiefe (Depth of Market)? Wenn Ihre Strategie auf Orderbuchdaten basiert, ist cTrader ECN die einzige Option für Privatanleger, die eine echte DOM-Anzeige bietet.

Ein praktischer Hinweis: Die meisten Broker erlauben es Ihnen, mehrere Kontotypen gleichzeitig zu führen. Wenn Sie unsicher sind, eröffnen Sie sowohl ein Standard- als auch ein ECN-Konto, handeln Sie einen Monat lang mit identischen Strategien auf beiden Konten und vergleichen Sie die Gesamtkosten. Anhand der Daten lässt sich die für Ihr spezifisches Handelsvolumen und Ihre Strategie optimale Wahl leicht ermitteln.

Abschluss

Standard-, ECN- und RAW-Spread-Konten stehen für unterschiedliche Preismodelle bei ein und derselben Tätigkeit: dem Zugang zum Forex-Markt. Standardkonten sind einfacher aufgebaut, eignen sich besser für Einsteiger sowie Trader mit geringerem Handelsvolumen und beinhalten die Marge des Brokers bereits im Spread. ECN- und RAW-Konten sind sich im Privatkundengeschäft strukturell weitgehend identisch: Sie bieten Interbanken-Kurse ohne Aufschlag (Raw Spreads) an, erheben dafür jedoch eine Kommission pro Lot, die sich erst ab einem bestimmten Handelsvolumen wirklich lohnt.

Berechnen Sie Ihre Gesamtkosten, bevor Sie sich entscheiden. Die meisten bei TopBrokers360 bewerteten Broker ermöglichen es Ihnen, beide Kontotypen gleichzeitig zu eröffnen und zu vergleichen. Weitere Broker-Vergleiche und Ratgeber zu Kontotypen finden Sie im umfassenden Angebot von TopBrokers360 unter topbrokers360.com.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich bei demselben Broker zwischen Kontotypen wechseln?

Ja, bei den meisten Brokern. Sie können unter demselben Kundenprofil weitere Konten eröffnen. Einige Broker – darunter Pepperstone und IC Markets – ermöglichen den Wechsel zwischen Kontotypen, ohne dass ein neues Konto eröffnet werden muss. Wenden Sie sich an den Kundenservice Ihres Brokers, um sich über den genauen Ablauf zu informieren.

Nein, für die meisten Anfänger nicht. Die Provisionsstruktur sorgt für eine Komplexität, die bei geringen Handelsvolumina unnötig ist. Sofern Sie nicht von Anfang an mehr als 5 Lots pro Tag handeln – was für unerfahrene Trader mit erheblichen Risiken verbunden ist –, ist ein Standard-Konto einfacher und bei den für Anfänger typischen Volumina oft kostengünstiger.

Slippage bezeichnet die Differenz zwischen dem von Ihnen gewünschten Orderkurs und dem Kurs, zu dem Ihre Order tatsächlich ausgeführt wird. Bei ECN-Konten kann es in volatilen Marktphasen sowohl zu positiver Slippage (Ausführung zu einem besseren Kurs als gewünscht) als auch zu negativer Slippage kommen. Bei Standardkonten von Brokern mit Dealing-Desk-Modell treten statt Slippage häufig sogenannte Requotes auf. ECN-Broker veröffentlichen in der Regel ihre Slippage-Statistiken; es lohnt sich, diese bei der Prüfung eines Brokers zu berücksichtigen.

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